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Reiseberichte

Motivation ist gefragt

Die Sonne schien, als wir am Morgen unsere Sachen ins Auto geladen hatten und Richtung Bulgarien aufbrachen. Istanbul war – trotz traurigem Wetters (Entschuldigung wegen Jahreszeit akzeptiert) – eine tolle Stadt und wir sind gespannt, sie später einmal in der Sommerzeit zu sehen.
Wir folgten der nach wie vor vorbildlichen zweispurigen Straße Richtung Grenze. Das Wetter schlug um. Nebel und Regen begleiteten uns bis zur und hinter die Grenze, so als wollten uns das Wetter sagen: in ZUKUNFT weht hier ein anderer Wind! Zukunft, das Thema, was uns bereits einige Tage intensiv beschäftigt und genauso viele Fragen aufwirft, wie es bereits 2011 nach unserem ersten Jahr in Australien der Fall war.

Hinter der Stadt Edirne zeigte sich ein ähnliches, sogar krasseres Bild wie an der iranisch-türkischen Grenze: Lkw, die sich gefühlt schon vom Bosporus bis zur Grenze vor stauten. Türkische, bulgarische, serbische, kroatische, polnische, deutsche, italienische Kennzeichen. Wer weiß, was wir noch alles übersehen hatten. Alle standen dort in sauberer Reihe an. Ob die Kraftfahrer schon den Glühwein für die gemeinsame Weihnachtsfeier aufwärmen? Wir wissen es nicht. Aber angesichts der unbeschreiblich langen Schlange ist dieser Gedanke vielleicht gar nicht so abwegig...

Nach zweimaligem Umdrehen wegen erneut nicht vorhandener Schilder hatten wir nach insgesamt etwas über einer Stunde die Grenze passiert. In der Pkw-Schlange bei der Einreise auf bulgarischer Seite sprachen uns ein Türke und ein Serbe an, die es kaum glauben wollten, dass wir tatsächlich von Australien bis hier her mit dem Auto gefahren sind. „DOCH! Sind wir!“ war unsere freudige Antwort.

Nachdem wir auf bulgarischer Seite bei umgerechnet 1,15 €/l vollgetankt und eine Vignette an unsere Scheibe geklatscht hatten, ging es nach Plovdiv, der zweitgrößten Stadt Bulgariens. Die Zeit der zweispurigen Straßen war hier erst mal vorbei. Zeit, dem Pajero wieder die höheren Drehzahlbereiche beim nun unvermeidbaren Überholen zu zeigen.

Plovdiv präsentierte sich uns so wie man es von Osteuropa im Spätherbst wohl erwarten würde. Graue verdreckte Plattenbauten, alte humpelnde Frauen mit Kopftüchern an den Gehwegen, Schlaglöcher in den Straßen, jahreszeitbedingt kahle Bäume, Depression an jeder Straßenecke. Sogar die schwache Beleuchtung der Verkehrsampeln signalisierte Lustlosigkeit. Osteuropa im Spätherbst. Das ist eine Kombination, die ein Overlander normalerweise vermeidet. Wir kommen nicht drum herum. Aber: hier „besuchten“ wir einen Kaufland-Niederlassung. Eine Kaufhalle, die alles hat. In Asien muss man für dasselbe Sortiment an fünf verschiedene Adressen rennen ... die sich auf drei Orte verteilen.

Wir versuchten, uns vom eingetretenen Dauerregen bei ca. 6 – 8°C nicht einkriegen zu lassen und suchten die Altstadt mit seinen aus dem 19. Jahrhundert stammenden Gebäuden sowie das Historische Amphitheater aus römischer Zeit im Stadtzentrum auf. Letzteres fasst ca. 7000 Besucher und wurde ursprünglich bei Bauarbeiten entdeckt und daraufhin freigegraben.

In Sofia, der Hauptstadt Bulgariens, angekommen besuchten wir die Alexander Nevski Kathedrale mit ihren goldenen Kuppeln, den Sveti Nikolay Tempel sowie das Regierungsviertel. Ein kleiner Weihnachtsmarkt mit seinen acht Hütten vor Ort lud nicht wirklich zum Verweilen ein.
Am Abend wandelte sich der Dauerregen in Schneefall, welcher die ganze Nacht hindurch anhielt.

Altstadt von Plovdiv
Amphitheater in Plovdiv
Alexander Newski Kathedrale
Sveti Nikolai Kirche
Sofia
Sofia im Schnee

Aufgrund des Winters, der nun überall Einzug hält, halten wir es in Osteuropa kurz, zumal alle diese Länder für einen späteren Besuch in naher Reichweite liegen.

Wir planen daher, am 20.12. zu Hause, am Ziel unserer Reise, einzutrudeln.

Bis dahin liegt aber u.a. noch der Besuch von vier weiteren Hauptstädten vor uns.