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Reiseberichte

Auf nach Europa!

Vorbei an Ankara folgten wir unserer Route Richtung Schwarzes Meer.
Auf dem Weg dorthin führten uns die Straßen durch dichte Wälder, welche die bergige Landschaft bedeckten und vielerorts bereits 'mit Zucker überzogen' waren.

Wir bogen von der Hauptstraße auf einen Feldweg ein und folgten diesem ein kurzes Stück, um eine Nacht im Wald abseits der lauten Straße und Städte zu campen.
Schilder oder Zäune bekamen wir keine zu sehen und da wir prinzipiell keinen Müll beim Camping zurück lassen, sollte unser kurzzeitiger Aufenthalt für niemanden zum Problem werden. Dachten wir.

Wir genossen die Ruhe und frische Luft, als am späten Nachmittag dann ein Pkw den kleinen Feldweg entlang gefahren kam, an dessen Seite wir auf einer kleinen Lichtung geparkt hatten. Das Auto hielt an und zwei ältere Herren stiegen aus. Da wir mit unserem türkischen Wortschatz von gerade einmal 10 Wörtern zwar besseres Türkisch als die beiden Herren Englisch beherrschten, fiel die Kommunikation dennoch logischerweise recht schwer. Was wir hier machen würden, war wohl die Frage. Mit Worten, sowie Händen und Füßen versuchten wir, zu verstehen zu geben, dass wir Touristen auf der Durchreise seien, die hier nur eine Nacht verbringen wollten.
Die beiden Herren nickten ab und verschwanden wieder. Also alles OK. Dachten wir.

Camping im Wald
Camping im Wald
Camping am Schwarzen Meer
Bäckerei in Istanbul
Geröstete Kastanien
Sultan Ahmet Platz

Es war nach 21.00 Uhr, als wir eigentlich schon eingeschlafen waren, dann aber ein Lichtkegel vernahmen und kurz darauf ein Auto direkt neben uns hielt. Zum im Bett aufrichten war kaum Zeit, da klopfte es schon wie wild mit harscher Stimme gegen unsere Scheiben.
Hmm. Das hätte wie sonst auch jeder sein können in dem Moment. Durch die Scheiben konnte man aufgrund grellen Taschenlampenlichts nicht erkennen, wer da stand. Und so steckte ich erneut den Kopf vorsichtig aus der hinteren Seitenscheibe, nur um erst einmal direkt eine Maschinenpistole zu erblicken. Zum Glück erkannte ich schnell, dass der Träger eine Uniform trug. Sonst hätten wir wohl in der Klemme gesteckt.
Es war die türkische Jandarma, die Gendarmerie. Eine Art Polizei oder Ordnungsamt, die mit nicht weniger als fünf Mann – allesamt bewaffnet – vorgefahren ist.
Hektisch fuchtelten Sie mit ihren Taschenlampen, rannten um das Auto. Ich solle aussteigen, verstand ich. Mit bestem Türkisch und lauter Stimme sprach der vermeintliche Gruppenleiter auf mich ein. Mit langsamem Englisch antwortete ich. Keiner verstand den anderen. Also erneut Einsatz von Händen und Füßen. 'We T O U R I S T S. Schlafen hier. Morgen weiter fahren!' versuchte ich per Körpersprache zu vermitteln. Nachdem unsere Pässe wie wild durchblättert wurden, begann der Spaß. Während Nadine noch im Auto lag und eine Stereo-Beleuchtung durch die Taschenlampen zweier Beamten an unseren Seitenscheiben genoss, sollte ich die Türen des Autos öffnen.
Eine der fünf Herren schien jünger als wir zu sein, verstand aber scheinbar auch kein einziges Wort Englisch, da er nur mit Kopfschütteln reagierte.
Der voll beladene Kofferraum unseres Autos schien den Herren sofort suspekt. Er signalisierte mir, alles auszuladen. Schließlich gibt es wohl nichts Gefährlicheres auf der Welt als ein ortsfremdes Fahrzeug mit einem Pärchen darin, das offensichtlich gerade im Begriff war, zu schlafen.
Im T-Shirt und bei angenehm frostiger Außentemperatur begann ich, dass Auto auszuladen. Dabei dachte ich sofort an unsere (leeren) Benzinkanister und die Gasflasche, die vermutlich gleich als Brandstifterausrüstung ausgelegt werden würden.
Zunächst erhielt die 'Jandarma' aber erst einmal ein Unterweisung in 'typischer Ausrüstung von über Land reisenden Touristen'. Camping-Ausrüstung, Fahrzeugersatzteile, Reserveflüssigkeiten, Kleidung usw. Die zwei der fünf Beamten durchwühlten unsere Kisten und Beutel als wären es Wühltische auf einem Flohmarkt. Es schien als würden sie nach irgendwas Suspektem suchen, damit sie uns 'dingfest' machen konnten. Aber wir hatten nichts. Nur Gänsehaut und nun noch mehr abgegriffene Reisepässe.
Nebenbei erkannte ich ein zweites Fahrzeug. Das gleiche, welches schon am Nachmittag da war. Vermutlich hatten die alten Herren die Gendarmerie gerufen. Sie versuchsweise zu fragen, warum er denn die Polizei gerufen hätte, blieb mir allerdings verwehrt. Ob wir in irgendein Sperrgebiet oder dergleichen eingedrungen waren, wissen wir bis heute nicht. Schilder oder Zäune gab es wie gesagt keine. Aber das scheint ja offensichtlich nichts zu bedeuten. Und Ruhestörung durch uns möchte ich eigentlich ausschließen. Wie auch immer.

Schließlich durfte ich das Auto wieder einladen, wir aber auch nicht hier bleiben. Wir sollten zurück auf die Straße und uns in 4 km ein Hotel suchen, gaben sie uns zu verstehen. Also Auto umgeräumt und los gefahren. Tatsächlich folgte uns die Gendarmerie noch einige Kilometer, da wir nicht an dem vermutlich von der Gendarmerie gemeinten Motel anhielten.
Wie schon ein paar Nächte zuvor hielten wir an einer Tankstelle. Aufgrund der lauten Lkw vor Ort und der aufwändig bunten Beleuchtung, die uns an die Städte in China erinnerte, konnte man im Vergleich zum ruhigen dunklen Wald hier von einer 'Großraumdisko' sprechen.
Wir parkten neben ein paar Lkw, räumten das Auto um und legten uns hin. 15 Minuten waren vergangen. Da klopfte es ans Auto. Nun genervt und in dem Wissen, hier definitiv parken zu dürfen und nichts falsch zu machen, öffnete ich sogleich die Tür um zu sehen, wer da war. Ich hing mein Kopf aus der Tür und blickte über das Autodach. Niemand zu sehen. Komisch. Ich legte mich wieder hin. Wir versuchten zu schlafen. Fünf Minuten später wieder ein Klopfen und zwei Männerstimmen. Jetzt reichte es. Tür auf, Schuhe an, ums Auto rum. 'WHAT’S GOING ON HERE? WHAT DO YOU WANT?' brüllte ich los. Ich erblickte zwei Männer mit Händen in den Taschen. Schnell winkten sie ab und ich vernahm noch die Worte 'OK' und 'Sorry', dann gingen sie wieder. Ich rief nochmals laut hinter ihnen her, sie sollten uns in Ruhe lassen. Nachdem wir von Anje und Izaak hörten, dass vor ein paar Tagen in deren Auto eingebrochen wurde, hielten wir es nicht für unwahrscheinlich, dass die Herren vielleicht prüfen wollten, ob das Auto unbewacht ist.

Am nächsten Morgen genossen wir eiskaltes Leitungswasser auf der Tankstellentoilette während unserer 'Morgenhygiene', bevor wir an die Küste des Schwarzen Meeres fuhren.

Wir erreichten das Meer bei der Stadt Akçakoça, schlängelten uns die teils enge Straße zwischen den weitläufigen nun kahl daliegenden Haselnussplantagen entlang und wühlten uns an einer unbebauten Gegend durch den Sandstrand und schlugen unser 'Lager' auf. Nachdem wir nun das Hochland verlassen hatten, genossen wir bei ca. 14 Grad nochmal richtig angenehme Temperaturen. Glücklicherweise klopfte diese Nacht keiner mehr ans Auto.

Am stark verregneten Morgen des 30. November rollten wir dann in Istanbul ein und überquerten den Bosporus über die südliche Brücke. Bei dichtem Verkehr, starkem Regen und Nebel war leider nicht viel von der ansonsten überraschend schmalen Meerenge zu sehen.
Wir nahmen Abschied von Asien und sagten Hallo zu Europa. Zumindest geografisch. Denn kulturell sollten sich die beiden Hälften der Stadt gar nicht unterscheiden.
Am nächsten Tag brachten wir das Auto in die Werkstatt. Nebst Öl- und Luftfilter-Wechsel wurde das Auto unter die Lupe genommen und der Auspuff als Ursache für den Lärm festgestellt. Sowohl im Katalysator als auch im Endschalldämpfer war bei hohen Drehzahl lautes Rasseln / Dröhnen zu vernehmen. Einzig durch einen Austausch der Auspuffanlage wäre dies zu beheben, was aber sehr geld- und zeitaufwändig wäre. 'Später' dachten wir uns.

In Istanbul fanden wir schnell Gefallen an der historischen Altstadt mit ihren schönen Gassen, in denen man überall Türken bei einem gemeinsamen Çay (Tee) sitzen sehen konnte. Erstaunlich ausgeprägt waren die Deutschkenntnisse vor Ort. Das betraf nicht nur Restaurantpersonal oder Verkäufer in Geschäften. Es war schon fast unheimlich. Istanbul – ein zweites Berlin Wedding???

Wir besuchten die Aya Sofya (Hagia Sophia), ein im 6. Jahrhundert als byzantinische Kirche errichtetes mehrschiffiges Gebäude, welches beim Fall Konstantinopels Mitte des 15. Jahrhunderts als Moschee umgebaut wurde und seit 1935 als Museum dient. Der Bau mit seinen hohen Kuppeln zeigt sowohl christliche als auch muslimische Elemente und gilt als Wahrzeichen der Stadt.
Nebst einem Besuch der Sultan-Ahmed-Moschee (Blauen Moschee) mit seinen untypischen sechs Minaretten genossen wir türkischen Tee am ehemaligen Hippodrom (heute Sultan-Ahmet-Platz), wo sich auch der Deutsche Brunnen sowie der ägyptische Obelisk von Thutmosis III. befinden. Später schlenderten wir über den Großen Basar, vermutlich der größte seiner Art weltweit.

Hagia Sophia
Sultan Ahmet Moschee
Sultan Ahmet Moschee
Türkischer Tee
Großer Basar in Istanbul
Pita und Kebab

Nach ein paar Schwierigkeiten, eine geeignete Kfz-Versicherung für unser ausländisches Fahrzeug für den EU-Raum zu finden, geht es nun für uns in Richtung Bulgarien weiter.

Wir sind gespannt auf den Grenzübergang westlich der Stadt Edirne, welcher einer der geschäftigsten weltweit sein soll.