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Reiseberichte

Armenien? Auto sagt Nein!

Es war dicht bewölkt, als wir uns weiter in Richtung Norden und Teheran aufmachten. Die Stadt zeigte sich – sicherlich auch wetterbedingt – von seiner tristen Seite. Die Straßen waren voll, die Luft schmutzig. Die unweit liegenden Berge im Norden, Mount Damavand inbegriffen, waren gänzlich von den Wolken eingeschlossen und somit nicht mal für das ein oder andere Foto zu haben. Nach einem Besuch des Azadi Towers (Freiheitsturm von Teheran) folgten wir den zunächst noch vollen Straßen Richtung Tabriz.

Dass wir uns stetig weiter nach Norden bewegten, merkte man. Es wurde kalt. Und kälter. Die Zeiten, in denen man tagsüber problemlos mit T-Shirt herumlaufen konnte, waren nun auch für uns vorbei.

Noch vor Qazvin erblickten wir zu unserer Linken und Rechten die ersten weißen Berge. Schnee, das war dieses kalte nasse Zeug, mit dem wir zuletzt vor etwa 30 Monaten in Berührung gekommen waren. Der gut ausgebaute breite und in dieser Region wenig befahrene Highway zwischen Teheran und Tabriz jonglierte häufig zwischen 1000 und 2000 Höhenmetern hin und her. Da reichte auch der 4. Gang nicht mehr. Und selbstverständlich lauerten auf der bergab verlaufenden Seite nicht selten Radarkontrollen. In keinem anderen Land auf unserer Reise war diese Form der Wegelagerei auch nur annähernd so ausgeprägt wie im Iran. Straßen so lang, breit, eben und leer wie eine Flugzeuglandebahn. Und dann 110 km/h Geschwindigkeitsbegrenzung. Hilft ungemein beim Verrücktwerden.

Tabriz fiel in der Gunst des Fahrers schnell auf ein Minimum, da selbst große und breite Hauptstraßen lediglich Einbahnstraßen waren und Ortsfremde in der Stadt einfach nur wahnsinnig werden. Anderen Overlandern raten wir dringend dazu, das Auto vor befahren des Stadtgebietes von Tabriz noch mal vollzutanken, ehe man sich auf die Suche nach einem Hotel macht.

Der historische Basar in Tabriz, welcher sogar zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt wurde und seit jeher einen sehr wichtigen Handelsknoten der Seidenstraße darstellte, ist einer der größten überdachten / geschlossenen Basare der Welt und besteht eigentlich aus mehreren kleineren Basaren wie beispielsweise dem Amir Basar (Gold und Jewelen) sowie Mozzafarieh (Teppichbasar) und unzähligen weiteren.
Es war nicht leicht, Nadine im Bereich des Obstverkaufs von den Grantapfel-Auslagen wegzubekommen. Bei einem Kilopreis von einem halben Euro nicht verwunderlich.

Ein Plastikbeutel gefüllt mit über einem Kilo fertig geschälter Granatäpfel stellte am Folgetag unser Proviant auf der Fahrt zur Grenze dar.

Unsere Idee war nun eigentlich, von Tabriz aus nach Armenien zu fahren.
Jedoch stellten wir bei Ankunft in Tabriz ein Brummen / Dröhnen unter dem Auto fest, dessen Ursache wir nicht gleich ausfindig machen konnten und vom Motor über Kupplung bis hin zum Auspuff alles hätte sein können. Auch wegen des im Kaukasus bereits vorherrschenden Winters sowie widersprüchlichen Informationen, wonach die türkisch-armenische Grenze geschlossen sei, entschlossen wir uns, direkt in die Türkei weiter zu reisen und später in Ankara oder Istanbul das Auto auf eine Hebebühne zu stellen.

Geschwindigkeitskontrolle
Azadi Tower in Teheran
Schnee
Schneebedeckte Berge bei Tabriz
Basar in Tabriz
Basar in Tabriz

Schon einige Kilometer vor Ankunft an der türkisch-iranischen Grenze bei Bazargan erreichten wir das Ende einer ewig langen Schlange von an der Seite stehenden Lkw. Sofern diese die Grenze tatsächlich passieren wollten, stehen sie wohl heute noch dort.
Das ganze Areal ist aufgrund des ausgeprägten Güterverkehrs sehr groß und weitläufig und selbstverständlich gab es nirgend wo ein Schild. Nach ein bisschen Herumfragen standen wir dann endlich an der eigentlichen Grenze, wo uns ein Iraner mit minimalischem Englisch ansprach. Ohne ihn um Hilfe gebeten zu haben, machte er es sich zur Aufgabe, uns bei den Zollformalitäten zu helfen. Die Laune war schnell im Keller, als wir erfuhren, bei Ausreise eine Benzinsteuer entrichten zu müssen, die letztlich fast den türkischen Benzinpreisen entsprach. Das Auto vor Ausreise nochmal mit billigstem Iran-Sprit vollzutanken, hätten wir uns also sparen können.

Nachdem alle anderen zu durchsuchenden Fahrzeuge vom türkischen Zoll schnell abgearbeitet wurden, waren wir die einzigen, die deren Mittagspause abwarten mussten, nur um im Anschluss daran gänzlich ohne Fahrzeugdurchsuchung einreisen zu dürfen. Mit der Einreise in die Türkei erfolgte erneut eine Zeitumstellung um ganze 90 Minuten.