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Reiseberichte

Rechts rüber!

Bei der Einreise in den Iran bleibt uns erneut eine Durchsuchung der Fahrzeuge erspart, was uns sehr erfreut. Alles andere als erfreut sind wir das Verhalten des Personals, welches uns nach Stempeln der Pässe und der Carnet-Dokumente selbige nicht wieder aushändigen will und eine Auskunft über das Warum und Wann aufgrund der wahrlich nicht vorhandenen Englisch-Kenntnisse ausbleibt.
Die Sonne stand bereits recht tief und ironischerweise mussten wir die Uhrzeit wegen neuer Zeitzone nun ganze 90 Minuten zurück stellen. Wieder hatten wir auf die Organisation einer Eskorte zu warten, denn auch im Iran fährt man noch bis Zahedan und Bam in Polizeigeleit.

Seit acht Stunden waren wir unterwegs, die Nerven lagen etwas blank und der Anblick unserer Pässe und Carnets, die wie Taschentücher wild durch die Hände der Beamten gingen, gaben mir den Rest. Als die Eskorte da war und die Beamten die Rückgabe unserer Dokumente ohne Begründung verweigerten, schrie ich die Beamten lauthals an und forderte die Rückgabe unserer Dokumente und gab ihnen zu verstehen, das Auto keinen Meter zu bewegen, ehe wir die Sachen wieder hätten.
Vermutlich wollten sie damit erreichen, dass wir uns unterwegs nicht selbstständig machen würden. Mit der Antipathie, die die Beamten durch ihr Verhalten bei mir ausgelöst hatten, hatten sie mir diese Vorstellung noch begünstigt.
Die Vorstellung, ohne Ausweis dazustehen, löste bei mir die Alarmglocken aus. Nadine und Anje schickten mich weg, als auch meine Wortwahl nicht mehr angemessen war und ich tatsächlich nicht mehr weit davon entfernt war, handgreiflich zu werden.
Es heißt ja immer, man solle einmal in seinem Leben im Gefängnis gesessen haben, um das Gefühl von Freiheit erst richtig verstehen und schätzen zu können. Für mich hätte sich beinahe die Gelegenheit geboten. Aber es muss ja nicht gleich ein iranisches Gefängnis sein...

Unterwegs nach Zahedan
Polizei-Eskorte im Iran
Warten vorm Polizeirevier
Warten vorm Polizeirevier
Landschaft bei Zahedan
Polizei-Fahrzeug mit MG-Aufbau

Letztlich verließen wir die Grenze in Richtung Zahedan. Unsere Pässe und Carnet reisten – hoffentlich – bei den Polizisten im vorausfahrenden Auto mit. Von mir hatten die Beamten keinen freundlichen Ton mehr zu erwarten. Auf der lediglich 100 km langen Strecke bis in die Stadt Zahedan machte ich es mir zur Aufgabe, unsere Pässe bei Wechsel der Eskorten im Auge zu behalten. Nadine versuchte derweil intensivst, mein Gemüt zu zügeln.
Das wir uns dabei auf vorbildlich ausgebauten Straßen fortbewegten, und noch dazu auf der anderen Straßenseite (im Iran und allen auf unserer weiteren Strecke folgenden Ländern herrscht wie in Deutschland Rechtsverkehr), fiel mir anfangs gar nicht richtig auf.

In Zahedan brachte uns die Polizei in ein Hotel, in dem wir eigentlich gar nicht bleiben wollten. Die Unterkunftspreise sind hierzulande ungewohnt hoch und so entschlossen wir uns, die Nacht im Auto zu verbringen. Bei ca. 5°C eine angenehme Sache. Aber es half auch, das Gemüt wieder runter zu kühlen.
Auf völlig andere (unwohle) Gedanken brachte mich zuvor noch ein Kellner des hoteleigenen Restaurants, als er – ein erwachsener Mann - mich an die Hand nahm und durch die Küche führte, um mir die angebotenen Gerichte zu zeigen. Während dieser sehr langen 2 Minuten gab er meine Hand auch nicht mehr her. Nadine, Anje und Izaak rutschten bei dem Anblick vor Lachen fast unter den Tisch. Schon in Indien haben wir beobachten können, dass Männer untereinander „intensiveren“ Körperkontakt pflegen, als es in Europa üblich ist. Hände halten, Arm um die Schulter sowie Küsse auf den Hals des Anderen waren und sind kein seltener Anblick.

Am nächsten Morgen sollte es weiter in die Kleinstadt Bam und damit raus aus der Problemregion Belutschistan (welche sich bis in den Iran hinein erstreckt) gehen. Als wir von der Eskorte abgeholt wurden und an einem Polizeirevier abgeladen wurden und dort letztlich ganze zwei Stunden warten mussten, bis es überhaupt erst einmal aus der Stadt raus ging, war mein Begeisterungslevel gleich fast wieder auf dem Pegel vom Vorabend.

Dem erfolgreich entgegengewirkt hat der lokale Benzinpreis, in dessen Genuss wir zum ersten Mal vor Verlassen der Stadt gekommen sind. Der Iranische Rial ist eine sehr wertschwache Währung (ein Euro wird im Land zum Preis von 40.000 Rial gehandelt). Als Ausländer zahlen wir für den Liter Benzin 10.000 Rial. Bei 80 Liter macht das 20 Euro. Das ist bezahlbar.

Ich überlege schon, das Bett wieder aus dem Auto auszubauen, um Platz für einen 2000-Liter-Tank zu schaffen … für die Weiterfahrt.

Für die 300 km bis Bam durch die Wüste Dasht-e Lut haben wir letztlich den ganzen Tag gebraucht. Aufgrund der zahlreichen auch hierzulande zeitintensiven Wechsel der Eskorten und zwei platter Reifen bei einem Leitfahrzeug, bei welchem wir aufgrund Mangels mit unserem eigenen Equipment aushelfen mussten, kamen wir erst gegen 19.00 Uhr im Hotel an. Die Pässe und Carnet-Dokumente konnte ich einem Polizisten unterwegs bereits abnehmen. Seitdem zeigte ich sie bei Nachfrage vor, gab sie aber nicht mehr aus der Hand. In diesen ersten beiden Tagen im Iran haben unsere Ausweisdokumente mehr Verschleiß erfahren als in den letzten fünf Monaten zusammen.
Glücklicherweise waren die Polizeieskorten mit unserer Ankunft in Bam endlich Geschichte und es bat sich Gelegenheit, endlich den Kopf wieder frei zu bekommen und die Weiterreise gänzlich allein gestalten zu können.

Da sich unsere weiteren Routen und auch die Fahrgewohnheiten (primär Geschwindigkeit) unterschieden, trennten wir uns ein zweites Mal von Anje und Izaak. Es sollte nicht das letzte Mal bleiben.

Landschaft bei Bam
Ankunft in Bam
Arg-e in Bam

Am nächsten Morgen besuchten wir den „Arg-e“ in Bam, einer von einem schweren Erdbeben zerstörten Stadt, die aus Schlamm errichtet wurde und derzeit umfangreiche Wiederaufbaumaßnahmen erfährt.

Im Anschluss folgten wir der gut ausgebauten zweispurigen Straßen durch die endlos scheinende Wüste über Kerman nach Yazd. Das ebene Gelände erlaubt es häufig, den Straßenverlauf auf die nächsten 10 km und mehr einsehen zu können. Noch besser darin waren die zahlreichen Radarkontrollen entlang der Straßen. Warum hierzulande ein Geschwindigkeitslimit von 110 km/h herrscht, ist mir noch weniger klar, als es beim Expressway in Myanmar war.

Dennoch kommt man in dem großen und weiten Land zügig voran. Man schafft tatsächlich 100 km in einer Stunde (wenn man so möchte). Eine Unmöglichkeit in Pakistan und Indien.

In Yazd machten wir uns auf, die historische Altstadt zu erkunden. Hier merkte man sofort, dass man im Orient angekommen ist.
Neben dem für Persien typisch reich verzierten Mausoleum von Sayyed Roknaddin und der Jameh Moschee mit ihren hohen nachts blau leuchtenden Minaretten bekommt man hier enge Gassen und traditionelle Häuser mit ihren offenen mit kleinen Pools und Weinreben verzierten Innenhöfen zu sehen. Zum Essen genießen wir Fladenbrot mit Fetakäse und Gurken oder Kebab-Fleisch.
In keiner Stadt Irans darf ein Gang über den Bazar fehlen, der Einblick in das alltägliche Leben bietet.
Betritt man die Dachterrasse eines Gebäudes in Yazd und blickt über die Stadt, so kann man zahlreiche turmartige Aufbauten auf den Gebäuden erkennen – die sogenannten Badgirs. Diese fangen selbst kleinste Windböen ein und leiten sie in die Räume darunter – quasi eine natürliche Klimaanlage.

Bogeh-ye Sayyed Roknaddin Dom in Yazd
Bogeh-ye Sayyed Roknaddin Dom in Yazd
Jameh Moschee in Yazd
Hotel-Innenhof in Yazd
Typische Gasse in Yazd
Khan-e Lari in Yazd

Im Hotel verbringen wir viel Zeit in dem überdachten und geheizten Innenhof mit seinen gemütlichen Sitzecken und treffen auch auf andere Overlander, darunter zwei deutsche Pärchen, die mit ihren Autos in Deutschland gestartet sind. Gelegenheit, Erfahrungen und Tipps auszutauschen.