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Reiseberichte

Kompromisse und ein Flug nach Berlin

Tiger Hill bei Darjeeling
Kangchenjunga
Nebel

An einem Mittag machten wir uns auf zurück Richtung Siliguri im Tal. Wir nahmen eine steile und teilweise enge Serpentinenstraße, die aber glücklicherweise wesentlich kürzer als der Hinweg war.
Unterwegs waren wir gezwungen auf ein Baggerfahrzeug zu warten, das gerade dem Freiräumen eines kleinen Erdrutsch auf der Straße zugange war. Nachdem die Straße frei war, rollten wir weiter und durch die Engstelle vorbei an dem Baggerfahrzeug, als es plötzlich einen lauten Knall gab und wir nach vorne gestoßen wurden. Ein mit Kindern voll besetzter Tata Sumo war uns hinten drauf gefahren. Verletzt wurde bei dem Zwischenfall glücklicherweise niemand. Was bei der Fahrweise der Inder, die selbst alles in Indonesien Erlebte in den Schatten stellt, eigentlich keine Überraschung sondern fast nur eine Frage der Zeit war, rief bei uns schnell ziemliche Verärgerung vor, als wir die eingedrückte und nun schwer öffnende und schließende Hecktür unseres Pajero samt kaputter Rücklichthalterung sahen. In der Tat war es an sich kein großer Schaden, wenngleich das Problem mit der Hecktür nur noch durch einen Austausch selbiger zu lösen sei. Der Tata hingegen war völlig zerstört. Die Front war nicht mehr zu erkennen und ein Rad stand völlig quer. Wir hatten nur noch Kopfschütteln für den Fahrer übrig, der tatsächlich noch versuchte, dass Auto zu starten. Zuschauer fanden sich inzwischen zahlreich ein und der Fahrer begann anschließend, das inzwischen zur Seite geschobene Auto zu entladen. Nun war ich als Unfallopfer an der Reihe – mit der Gewissheit für den entstanden Schaden keine finanzielle Vergütung erwarten zu können. Ich zerrte ihn dennoch an unser Auto, zeigte ihm den verursachten Schaden, und verlangte Geld. Eine Drohung mit der Polizei machte ihm überraschenderweise sichtlich Angst, aber sein Portmonee auch nicht größer. Mit umgerechnet 40 Dollar mussten wir uns zähneknirschend davon machen. Wir fragten uns, wie das alles wohl abgelaufen wäre, wenn wir den Unfall verursacht hätten...

Einheimische Beobachter
Spielende Kinder
Straßenzustände in Indien

Der viele Verkehr, die sehr schlechte Straßen und Massen an Leuten überall sowie der Unfall hatte ziemlich an der Substanz gezehrt. Am Folgetag entschlossen wir uns daher, Varanasi zu überspringen und direkt weiter Richtung Agra zu reisen. Dies war auch im Interesse von Anje und Izaak und so reisten wir weiter gemeinsam durchs Land. In Delhi würden wir uns dann um die Reparatur des Autos kümmern, wo wir wegen der Beschaffung der Pakistan-Visa ohnehin reichlich Zeit zur Verfügung haben würden.

Auf dem langen Weg quer durchs Land machten wir u.a. Halt in Kushinagar, dem Ort, welchem nachgesagt wird, der Sterbeort von Buddha zu sein. Während unserer Fahrt sahen wir nicht selten Einheimische, die ihre Notdurft direkt am Straßenrand verrichteten. Abends zeigte sich uns eine neue Manier auf den Straßen: während die Leute in Myanmar mit ihren Autos häufig gänzlich ohne Licht unterwegs waren, fuhren viele Inder mit Fernlicht, was die Sicht auf der Straße einem direkten Blick in die Sonne gleichkam.
Nach unzähligen Mautgebühren, leeren Tankstellen, hunderten weiteren Kilometern und dem Anblick zweier Toter bei einem Verkehrsunfall erreichten wir nach einer erfolglosen Suche nach einer Abkürzung quer durch eine kaum bewohnte ländliche Gegend am späten Abend Agra, den Standort des weltberühmten Taj Mahal. War der Bau doch absolut beeindruckend wenngleich auch aufgrund Smog nicht so strahlend wie auf Postkarten, so litt man außerdem auch ziemlich unter der Flut von Touristen. Ähnlich erging es uns im Agra Fort, einer großen roten Festung unweit des Taj Mahal, dessen Bau im 16. Jh. erfolgte.

Hupgebotsschild
Stierende Einheimische
Öffentliche Toilette
Kind in Kuchinagar
Einheimische
Taj Mahal

Auch in den Tagen nach Darjeeling wurden wir mit Indien nicht richtig warm, weshalb wir unser Augenmerk bereits auf das darauffolgende Land Pakistan richteten.
Über eine ausnahmsweise mal sehr gut ausgebaute aber natürlich auch kostenpflichtige Autobahn erreichten wir Delhi. Je näher wir der Stadt kamen, umso dichter wurde der Smog.

Erste Aufgabe war der Erhalt des Iran-Visums. Nach Einreichung der nötigen Referenznummer sowie Pässe und weiteren Rennereien für den Erhalt von zertifizierten Fingerabdrücken von uns sowie für die Bezahlung konnten wir das Visum noch am selben Nachmittag abholen.
Die sogleich nächste, weil zeitaufwändigste Aufgabe war, das Pakistan-Visum zu erhalten. Uns war bereits bekannt, dass die Visumsausstellung für Pakistan ausschließlich im Heimatland des Antragsstellers erfolgen würde und so hatten wir den Plan, die Pässe per Expresssendung heimzuschicken. Jedoch macht uns dabei der Indische Zoll einen Strich durch die Rechnung. Sofern eine Pass-Sendung nicht von einer Botschaft kommen würde, würde die Pässe vom Zoll eingezogen werden und es war nicht unsere Absicht in Indien ohne Reisepässe stecken zu bleiben. Nach Vorsprache beim Zoll höchstpersönlich sowie Bitte um Hilfe bei der Deutschen Botschaft ließen uns beide auflaufen und so blieb uns letztlich nur der Biss in einen sehr sauren Apfel: wir buchten sogleich für Nadine einen Flug nach Berlin, damit sie dort am Tag darauf sofort unsere Unterlagen bei der pakistanischen Botschaft einreichen könne. Ironischerweise erfolgte der Flug dann auch noch an meinem Geburtstag und so wurde die Liste von negativen Erlebnissen in Indien immer länger.

Agra Fort
Salzmarsch-Denkmal in Delhi
Smog in Delhi

Während Nadine noch in Berlin auf den Rückerhalt der Pässe wartet, um am Folgetag sogleich in den Flieger zurück nach Delhi zu steigen, war es meine Aufgabe mich um das Auto zu kümmern.
Ölwechsel, Koppelstangen, neues Rücklicht, Reifenringtausch mit Auswuchten. Mit der Hecktür konnte mir letztlich aber keiner helfen.

Inzwischen erhielt ich Nachricht von Anje und Izaak, die mittlerweile in Pakistan sind. Sollten wir richtig viel Pech haben, wird uns die Reise durch die Pakistanische Provinz Belutschistan, welche zwingend durchquert werden muss, aufgrund der aktuellen Lage verweigert.
Alternative Routen sind quasi nicht gegeben: die Reise über den Khyber-Pass nach Afghanistan ist nicht nur alles andere als sicher, sondern auch für Fremde gänzlich verboten. Der Karakorum Highway über China wäre noch eine Überlegung wert. Jedoch an die chinesischen Genehmigungen samt Visa zu kommen, die vielen zusätzlichen Kilometer sowie drei weitere notwendige Visa und nicht zuletzt eine mögliche Sperrung der Straße aufgrund bevorstehendem Winters machen diese Option quasi auch zunichte.
Sollten wir bei Verweigerung der Durchreise auch per Zug und Pkw-Transport nicht durch Belutschistan reisen dürfen, bliebe nur noch eine Verschiffung (aber wohin???) oder der Aufschub unserer Weiterreise auf unbestimmte Zeit...