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Reiseberichte

Durch den kaum erforschten Osten Indiens bis vor Nepals Türen

Am Morgen verließen wir Myanmar über eine kleine Stahlbrücke und erreichten auf der indischen Seite als erstes einen kleinen Militär-Checkpoint. Neben der Aufnahme der Personalien, einem Ebola-Test sowie einer kurzen Durchsuchung der Autos stehen wir nun etwas unbeholfen da. Wir hatten keine Ahnung, wo Polizei und Zoll waren. Es kostete etwas Umherfragen und Hin- und Herfahren, bis wir einen Polizeibeamten im T-Shirt und schlappriger Hose in einer ansonsten leeren Polizeistation fanden, der uns die Pässe stempelte. Nachdem wir dann auch das (selbstverständlich) nicht ausgeschilderte Zollbüro gefunden hatten und weitere Zeit mit Warten in der sengenden Hitze verging, trafen gegen Mittag dann endlich die Indischen Beamten ein. Diese sind nicht gerade für ihre Pünktlichkeit und Präsenz am Arbeitsplatz berühmt.

Nach insgesamt drei Stunden konnten wir die kleine Grenzstadt Moreh verlassen und folgten der Straße in die Berge Richtung Imphal. Die Militär-Präsenz in dieser Grenzregion ist bemerkenswert und die drei Militär-Checkpoints auf dem Weg nach Imphal kosteten jedes Mal viel Zeit. Der Offizier des letzten Checkpoints forderte uns auf, uns bei Ankunft in der Stadt Imphal bei der örtlichen Polizeistelle zu melden.

Nach einem späten und scharfen Mittagessen auf Reis- und Currybasis hofften wir, über einen Schleichweg an den Loktak See zu gelangen, um dort zu campen. Daraus wurde jedoch nichts und so checkten wir am Abend völlig kaputt und mit den Nerven am Ende in einem nicht gerade günstigen Hotel in der chaotischen Stadt Imphal ein.

Während es in Ländern wie Malaysia, Thailand und Myanmar lediglich in den großen Städten chaotisch zuging, so bekamen wir die Wucht der großen indischen Bevölkerung bereits in kleineren Ort zu spüren. Das Straßenbild hierzulande wird von frei umherlaufenden oder einfach nur rumliegenden Ziegen und vor allem Kühen geprägt, die ein zügiges Vorankommen unmöglich machen. Dieses Bild sollte sich während unserer gesamten Zeit in Indien nicht mehr ändern.

Am nächsten Morgen wollten wir pünktlich los, fuhren aber noch wie aufgefordert zur Polizeistation, bei der wir gegen 9.30 Uhr eintrafen. Unsere Ankunft hatte offensichtlich niemand erwartet und auch schien das spärlich präsente Personal nicht so recht zu wissen, was es mit den sechs meldungstreuen Touristen anfangen sollte. Als es dann hieß, wir sollten etwa eine Stunde (übersetzt also: zwei Stunden) auf den Beamten warten, verabschiedeten wir uns mit den Worten „Ok, wir kommen dann nachher nochmal wieder“ und verließen die Stadt Richtung Nagaland.

Manipur
Unterwegs nach Kohima
Gottesanbeterin

Wir folgten der kurvigen von Schlaglöchern gesäumten Straße in die Berge und fanden am Nachmittag in der Nähe eines Dorfes einen Platz zum Campen, wo unsere Gruppe ihren letzten gemeinsamen Abend verbrachte. Während wir endlich mal wieder von unserer umfangreichen Camping-Ausrüstung Gebrauch machen konnten, steuerten andere das Bier aus Kambodscha und sogar schottischen Whiskey bei. Ein perfekter Abend nach einer unvergesslichen Tour gemeinsam durch Myanmar und die indische Provinz Manipur.

Wir mussten uns nun von Martina und Pierre verabschieden, da sie Nagaland und Arunachal Pradesh näher unter die Lupe nehmen wollten, während Anje, Izaak, Nadine und ich unsere Tour nach Europa fortsetzen wollten.

Kohima
Teeplantage
Indischer Wildwechsel

Nach der Überquerung des Brahmaputra fanden wir uns ein paar Tage später an einem frühen Abend in der Kleinstadt Bongaigaon auf der Suche nach einem Restaurant entlang der Straße plötzlich im örtlichen Polizeirevier wieder.
Als wir zu Fuß die Straße entlang liefen, rief uns plötzlich ein Polizist zu sich und bat uns im Büro des Revierleiters Platz zu nehmen. Uns war zu diesem Zeitpunkt absolut unklar, ob und was wir falsch gemacht hatten, oder ob die Polizisten einfach nur neugierig waren. Eigentlich erschöpft durch den Verkehr auf den Straßen und nach der langen Tour und hungrig mussten wir uns nun ein paar allgemeinen Fragen stellen (eine davon: was wir denn hier wollten). Der Beamte schaute anfangs grimmig drein und spielte sich ziemlich auf und es dauert eine Weile, bis wir realisierten, dass die Polizisten einfach letztendlich einfach nur neugierig waren und glaubten, uns mit ihrer Einladung inklusive Tee und Keksen einen Gefallen zu tun. Wollte man nun nicht unhöflich sein und mit der Verneinung der Bitte, unsere Autos der Sicherheit wegen über Nacht im Revier zu parken nicht den falschen Eindruck vermitteln, zwangen wir uns zum unfreiwilligen Small Talk mit den Beamten. Irgendwann nach gefühlten 90 Minuten konnten wir dann auch endlich gehen.

Großer Lkw
Unterwegs
Unterwegs nach Darjeeling

Unser nächstes Ziel hieß Darjeeling, einer kleinen Stadt auf ca. 2400 Metern in den Ausläufern des Himalayas.
Die Straßen, am Anfang nur extremst eng mit Serpentinen, die man nur nach zweimaligem Zurücksetzen hatte fahren können, wurden, je höher man kam, immer katastrophaler. Schlaglöcher ohne Ende. Nach etwa einem Drittel der Strecke standen wir plötzlich vor einer Baustelle, die, da es Sonntag war, nicht besucht war. Vor uns lag ein etwa ein Kilometer breiter Erdrutsch, der vom Berg abging und die Straße verschüttet hatte. Die Baufahrzeuge hatten aber gerade so eine Spur breit wieder einigermaßen frei geschoben. Jedoch stand auch ein Baggerfahrzeug etwas im Weg und grobes Geröll sollten signalisieren, dass die Straße nicht passierbar sei. Die Einheimischen scheinen diese Information über die Straßensperrung gehabt zu haben – wir nicht.
Nachdem ich den Kilometer mal abgerannt bin um zu sehen, ob die Straße frei sei und hinterher das Geröll aus dem Weg geräumt hatte, konnte ich die Gruppe davon überzeugen, ein Passieren zu wagen. Denn eine Alternativroute hätten über 150 weiter Kilometer entlang solch enger Straßen bedeutet. Dank 4WD-Modus hatte letztlich alles super geklappt und wir konnten noch ein Blick auf den Erdrutsch von der gegenüberliegenden Talseite bekommen, wobei uns das Ausmaß erst richtig bewusst wurde.

Erdrutsch
Erdrutsch
Kinder in Darjeeling
Gasse in Darjeeling
Straße in Darjeeling
Teeplantage bei Darjeeling

In Darjeeling angekommen hatten wir bezüglich blauen Himmel trotz bester Jahreszeit Pech, da uns die Ausläufer des Taifun Hudhud mit bedecktem Himmel versorgten und uns am Tag der Ankunft der Blick auf den unweit nördlich liegenden dritthöchsten Berg Kangchendzönga mit seinen stolzen 8586 Metern leider verwehrt blieb.
Die Region Darjeeling, über die Grenzen Indiens bekannt für seinen Teeanbau, ist heute u.a. Heimat vieler nepalesischer Flüchtlinge. Bunte Fahnengirlanden schmücken zahlreiche Gebäude und man in den Straßen tummeln sich Hindi, Nepalesen und auch Chinesen.
Wir fanden heraus, dass wir Luftlinie lediglich 35 km von der Grenze zu Nepal, 50 km zu der Grenze von Bhutan, 100 km zur tibetischen Grenze, 50 km zur Grenze von Bangladesch und 160 km von Mt. Everest entfernt waren. Für uns als Europäer waren das schon sehr exotische Zahlen.
Wir besuchten u.a. eine große Teeplantage und bekamen Einblicke in die lokale Teeproduktion sowie zahlreichen Kostproben und genossen die angenehm milden Temperaturen, bevor die Reise am nächsten Tag Richtung Varanasi weitergehen sollte.