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Reiseberichte

Abwarten und Tee trinken

Natürlich wurde nichts aus dem 3. September.
Doch nachdem wir am Tag darauf dann das Go für die Autoabholung erhalten hatten, ging es mit dem Taxi auch sogleich Richtung Niederlassung der Hafenagentur, welche für die Containerentladung zuständig war. Auf der Fahrt dorthin setzte der Regen ein, auf welchen zu dieser Jahreszeit tagtäglich Verlass ist. Anders als bei den Verschiffungsbehörden ... ab genug gemeckert. Vorerst.

Chinesischer Tempel
Schwarznackenpirol
Masjid Negara Kuala Lumpur

Nachdem das sonst sehr hilfreiche Google Maps zur Abwechslung einmal Blödsinn bei der Adresse angezeigt hatte und der Taxifahrer sich auch schwer dabei tat, die Adresse selbst zu finden, kamen wir nicht um einen Anruf bei der Niederlassung mit dem eigenen Handy herum, um uns zu ihnen leiten zu lassen.
Während der Taxifahrer am Handy scheinbar den neusten Klatsch und Tratsch mit dem Niederlassungsleiter austauschte, rieb sich die Deutsche Telekom derweil die Hände. Da die Roaming-Abkommen der Telefonanbieter nicht über den Europäischen Kindergarten hinaus reichen, ist man auch als Vertragskunde in diesem Teil der Erde gleich mal mit 2,99€/Min dabei. Letztlich hat mein Gefuchtel auf dem Beifahrersitz (der Herr möge sich doch mal bitte beim Telefonieren kurz halten - das ist sau teuer!) vielleicht sogar das Gegenteil bewirkt.
Nach dem zweiten Anruf und letztlich mindestens 16 Euro auf meiner Handyrechnung kamen wir dann bei Niederlassung an, die man selbst nicht hätte finden können, wenn man schon zehn Jahre in der Stadt gelebt hätte.

Petronas Towsers
Parlamentsgebäude von Sarawak
Kannenpflanze auf Borneo

Mit quälend langsamen Tempo chauffierte uns der ansonsten sehr freundliche und hilfsbereite Mitarbeiter Saidi zum riesigen ... ja wirklich riesig riesigen Container-Hafen von Klang.
Nach abschließenden Formalitäten vor Ort standen wir nach Rückerhalt unserer Reisepässe, die am Hafeneingang als Pfand einbehalten wurden, am Ausgang des Hafens. Nun hatten auch die Reifen malaysischen Boden unter sich. Es war 16.30 Uhr und wir wollten die 500 Euro Pfand noch im Büro der Verschiffungsbehörde abholen (eine wiederum andere Adresse), welche natürlich 17.00 Uhr zu machen würde. In dem Bewusstsein, es im Geleit von Saidi nicht rechtzeitig dorthin zu schaffen, verabschiedeten wir uns freundlichst von ihm und sorgten für malaysische Vorurteile gegenüber australischen Autofahrern (siehe unser Kennzeichen). 16.50 Uhr standen wir im Büro und wussten nun, dass wir demnächst erst mal nicht mehr an den Geldautomaten müssten.

2013 sind wir bereits in Malaysia gewesen. Damals ging es per Flug von Südthailand kommend nach Kuala Lumpur, danach südlich in die Küstenstadt Melaka und anschließend nach Singapur, bevor wir nach Borneo (Ost-Malaysia) aufmachten, wo wir Orang-Utans sowie Nasenbären die Hand schüttelten und uns später im Semporna Archipel unter Normal Null begaben.

Von Klang bzw. Kuala Lumpur aus sollte es nun Richtung Norden gehen. Europa liegt in diese Richtung, so erzählt man sich.
Unser Ziel waren nun die Cameron Highlands. Heimat zahlreicher Gemüse-, Obst- und Teeplantagen auf über 1500 Metern Höhe.

Um da rauf zu kommen, bedurfte es unterwegs im Auto erneut Nadines liebsten Straßenverlaufes: LINKS, RECHTS, LINKS, RECHTS! ... ... LINKS, RECHTS, LINKS, RECHTS!!!
Wir schlängelten uns die Straßen hinauf bis nach Tanah Rata und Brinchang.
An diesem Nachmittag besuchten wir eine Schmetterlingsfarm, stürmten den Verkaufsstand einer Erdbeerplantage und tranken malaysischen Tee mit Blick auf sattgrüne Teeplantagen, die sich über die Hügel erstreckten.

Trogonoptera Brookiana
Teeplantage
Sam Poh Tong Tempel

Am frühen Abend zurück auf einer von Malaysias aalglatten, herrlich verkehrsarmen aber mautbedingt nicht ganz billigen Autobahnen fuhren wir weiter bis nach Ipoh, wo wir den größten buddhistischen Höhlentempel Malaysias, den Sam Poh Tong Tempel besuchten und das Auto mit einem neuen Luftfilter beglückten.

Mit gefühlt 30 PS mehr unter der Haube und nun feinstem 95 Oktan-Benzin (in Indonesien waren es nur 88 Oktan!) ging es weiter Richtung Thailand und anschließend über eine fast 17 km lange Brücke auf die Insel Penang, der "Perle des Orients", wie sie genannte wird.
Über die vergangen Jahrhunderte haben hier zahlreiche Kulturen Einzug gehalten und heute ist die Insel geprägt von indischen, chinesischen, arabischen und englischen Einflüssen.
Bei der Fahrt über die Brücke erhält man einen sehr guten Blick über die gesamte Ostküste, welche an eine Art "Mini-Hong Kong" erinnert: weiße hohe Wohnhäuser drängen sich dicht vor einer dunkelgrünen Berglandschaft.

Erstes Ziel auf der Insel war zunächst eine Botschaft: da man bei Einreise nach Thailand über Land an der Grenze nur ein 15 Tage-Visum bekommt, stellten wir uns pünktlich 9.00 Uhr morgens in George Town in die Schlange der Visastelle der thailändischen Botschaft, um in die Gunst eines ausreichend langen 30 Tage-Visums zu kommen. Somit wurde nun ein weitere Seite in unseren Reisepässen gefüllt. Was die noch verbleibenden freien Seiten im Pass angeht: es wird verdammt knapp bis nach Europa!

Neben dem Besuch weiterer Orte nahmen wir uns einen halben Tag für den Kek Lok Si Tempel, der größten buddhistischen Tempelanlage in ganz Malaysia Zeit. Highlights hier waren neben der 30 Meter hohen Bronzestatue von Guanyin die Hauptpagode mit ihren 10.000 Buddhas, welche chinesische, thailändische und burmesischen Architektur in sich vereint.
Abends wurde uns die örtliche kulturelle Vielfalt beim Besuch eines gewohnt schlichten aber sehr großen Hawker Centers bewusst. Neben malaysischen Gerichten bekommt man hier auch seinen indischen oder chinesischen Appetit gestillt.
Nicht nur einmal hieß unser Abendessen Roti Canai (malaysisches Fladenbrot mit verschiedensten Beilagen), Nasi Lemak Ayam (Reisgericht mit Hähnchenschenkel und Variation an Soßen und Gemüse), Wan Tee Mee (Nudeln mit verschiedenen Kräutern in Sojasoße und Wan Tans) oder Satay (indonesisch: verschiedene Grillspieße mit Gemüsebeilagen und Soßen, die Schärferezeptoren ansprechen, von denen man vorher noch nicht wusste, dass sie existieren).

Malaysisches Fondue
Kek Lok Si Tempelkomplex
Kilometerzähler 222222km

Nach drei Tagen auf Penang wurde es Zeit, wieder aufzubrechen. Thailand rief nach uns. Bis Mae Sot an der Grenze zu Myanmar ist es noch weit und in Thailand wollen wir in den uns in den verbleibenden drei Wochen noch einige Orte ansehen sowie uns in Bangkok um nötige Visas für die weitere Tour kümmern, bevor es im Konvoi durch das letzte Land Südostasiens auf unserer Tour geht.

Nun wird aus einem "Hello" ein "Sawatdee" und aus einem "Terima Kaseh" ein "Khob Khun Kup" / "Khob Khun Kaa".