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Reiseberichte

Auf und davon

Freitag, 25. Juli, 11.00 Uhr. Nachdem wir den ganzen Vormittag damit verbrachten, mit einem Toll-Mitarbeiter zwischen drei Zoll-Büros hin und her zu rennen, um deren begangene Fehler aufs Papier zu bringen, stehen wir nun vor dem Container und Enrico reißt die Plombe herunter. In dem Bewusstsein, von Toll keinerlei Positives mehr erwarten zu können, stellen wir auch noch fest, dass die Kollegen in Darwin die Batterie entladen haben, indem sie die Lüftung laufen ließen. Wohl vermutlich, um Entzündungen oder anderen unmöglichen Blödsinn zu vermeiden. Das war für uns dann noch das Ausrufzeichen hinter der Feststellung, nie wieder Kunde bei diesem Unternehmen sein zu wollen.
Nachdem die Starterkabel nun entjungfert wurden und der Zoll noch erfolglos nach verbotenen Gütern im Auto gesucht hat, ging es mit quietschenden Reifen und ohne Händeschütteln vom Hafengelände.

Nasi Goreng Ayam
Empfang des Autos
Starthilfe

Ein herzliches Willkommen in Timor-Leste an unseren Mitsubishi. Obwohl wir schon voll und ganz in Fluchtstimmung waren, ging es nach dem Tanken und dem Einladen der Rucksäcke nun zunächst zum Cape Fatucama, einer kleinen Landspitze, welche zwei kaum besuchte Strände und eine große Jesusstatue beherbergt. Im Anschluss sollte unser nächstes Ziel die Kleinstadt Maubisse im Landesinneren südlich von Dili sein.

Kaum aus der Stadt raus, windet sich die … Straße … den Berg hinauf – enger werdend, mit mehr und mehr Schlaglöchern, die auch von kleinen Meteoriteneinschlägen hätten stammen können.
Während wir an Höhe gewannen, die Kupplung gekocht haben muss und wir in die ersten Wolken und Nebelschwaden hinein fuhren, zeigte der Kilometerzähler nach über einer Stunde Fahrt gerade einmal 27 dazugewonnene Kilometer an. Ein Drittel der Strecke bis Maubisse. Nadine hatte derweil durch die vielen Serpentinen ziemlich mit dem Magen zu kämpfen. Und da wir das Auto nicht schon in Land 2 von 15 zerlegen wollten und noch so viel vor uns liegen sollte, entschlossen wir uns zum Umdrehen. Die Strecke nach Baucau östlich von Dili sollte ähnlich schlecht sein und so hieß unsere nächste Richtung Westen. Indonesien, wir kommen.

Cape Fatucama
Übervoller Lkw
Unterwegs Richtung Maubisse

Nach einer Nacht an einem unbesiedelten Teil eines dennoch nicht wenig verschmutzen Strandes folgten wir am nächsten Tag der häufig unbefestigten und manchmal von Erdrutschen teilweise verschütteten Hauptstraße entlang der Nordküste. Das Wetter war wie eigentlich seit Wochen schon voll und ganz auf unserer Seite. Über das blaue Meer nach Norden blickend konnten wir in der Ferne die indonesische Insel Alor ausmachen.

An der sehr ruhigen Grenze verlief alles reibungslos. Nach einer halben Stunde verließen wir den auf indonesischer Seite liegenden Grenzort Mota’ain und das Einzige, worüber wir uns ärgerten, war, dass der Schriftzug an unserem Mitsubishi nicht auch in Tetum und Indonesisch zu lesen ist. Denn bei aller Neugier der Einheimischen sind Englisch-Kenntnisse noch immer häufig kaum vorhanden.

Straße Richtung indonesische Grenze
Typische Hütten in Timor-Leste
Bunter Bus

Timor-Leste. Viel gesehen haben wir von dir leider nicht. Deine Kaffee-Plantagen, traditionellen Dörfer und dein mit über 2900 Metern höchste Berg Tatamailau bleiben uns verwehrt. Schuld daran hat zu 25% unsere Ungeduld sowie Neugier auf die Vulkaninseln Indonesiens und zu 75% die verlorene Zeit – hervorgerufen durch ein Unternehmen, dessen Namen diese Webseite kein weiteres Mal schmücken soll. Doch deine Hauptstadt Dili kennen wir nun besser als unsere Heimatorte!

Timor-Leste ist nach Afghanistan das zweitärmste Land Asiens. Wir hoffen, dass sich deine Situation in den kommenden Jahren bessert und schließen ein Wiedersehen nicht aus.

Nachdem wir die Grenze zu Indonesien passiert haben, ruft nun Kupang nach uns. Von hier aus geht die Fähre Richtung nördliche Nachbarinsel Flores, Korrektur: Richtung Deutschland.