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Reiseberichte

Dili - laut, ziemlich schmutzig, günstig, Südostasien!

Dienstag, 07. Juli, morgens am Flughafen in Darwin. Wir waren kurz vor dem Boarding, als es noch durch den zweiten Sicherheitscheck ging. Während Nadine sich mit erhobenen Händen in einen der neuen Körperscanner stellen musste, um nach dem nicht mehr als fünf Sekunden dauernden Scan Richtung Flugzeug entlassen zu werden, stand ich noch bei zwei anderen Sicherheitsbeamten am Handgepäckscanner und stellte fest, dass es mein Reisepass offensichtlich nicht bis zum Ausgang der Maschine geschafft hat. „Schauen Sie doch noch mal nach, ob Sie den Reisepass in der Tasche stecken haben!“ meinte ein Sicherheitsbeamte zu mir. Meine Antwort: „Den hatten SIE doch in der Hand und dann einfach auf das Rollband gelegt!“. Nun ja. Nach einer langen Minute des Suchens fand er sich dann unter dem Gerät wieder, wonach er wohl irgendwie durch einen Schlitz gefallen sein muss. Australien wollte uns scheinbar nicht gehen lassen. Mit etwa 30 Minuten Verspätung flogen wir in einer Embraer E-170 Richtung Dili. Nachdem sowohl Pilot als auch Flugbegleiter ganze drei Mal hintereinander die falsche Flugnummer bei ihrer allgemeinen Durchsage genannt hatten, landeten wir dann gegen frühen Mittag in Dili.

Rein im Interesse unserer Reiseabsichten war dies bis Deutschland hoffentlich der erste und letzte Flug auf unserer Tour.

Es dauerte keine Minute bis wir merkten: jepp! Wir sind nun in Südostasien!
Nach dem Verlassen des Flughafengebäudes wurden wir sofort von einer Hand voll Taxifahrer in einer Zangenbewegung eingekesselt, welche ein Weitergehen unmöglich machen sollte. Die Idee war eigentlich, mit einem „Microlet“ (das sind kleine Minibusse für 8 Personen, worin bis zu 16 Einheimische mitgenommen werden) zum Hostel zu fahren. Aber mit unseren sperrigen Rucksäcken gaben wir dann nach uns ließen uns mit 20 km/h in die Stadt bringen. Ich war noch erstaunt, wie es der Taxifahrer schaffte, den Motor während der gesamten Fahrt nie über 1100 Umdrehungen zu beschleunigen. Entsprechend vibrierten unseren Hintern auf der Rücksitzbank. Am Hostel angekommen hatte ich nach dem Aussteigen sogar schon nach dem dritten Versuch die Tür zuschlagen können.

Dili - für mindestens eine Woche sollte die ca. 230000 Einwohner große Stadt nun unser Zuhause sein, während wir sehnsüchtig auf die „TeamSpirit“ warteten, die unser Auto im Gepäck haben sollte.

Anflug auf Timor-Leste
Flughafen Dili
Hauptstraße in Dili

Bei ein paar Gängen durch die Stadt bekamen wir die ersten Eindrücke von Timor-Leste. Wie in den meisten Ländern Südostasiens ist der größte Teil der Einheimischen sehr schlank, neugierig auf Fremde und speziell in Dili scheint es kaum Leute älter als 30 Jahre zu geben.
Die Sprachbarriere macht es uns noch schwer, mit den Leuten in Kontakt zu kommen. Die meisten sprechen kein Wort Englisch und als Tourist schwankt man stets zwischen ein paar wenigen Worten Tetum und Portugiesisch hin und her, was aber mit einem Lächeln stets begrüßt wird.

Nachdem wir die Uferpromenade entlang schlenderten, den Präsidentenpalast, zwei Museen und einige Straßen mit Geschäften aller Art zu sehen bekommen haben, sind wir der Meinung, dass Dili nicht so attraktiv für Touristen ist, wie es beispielsweise im Lonely Planet gelobt wird.
Allerdings freut man sich über die doch sehr angenehmen Preise im Land: für umgerechnet drei Euro haben wir zwei volle Mittagessen samt Getränk zu uns genommen. Super Sache.
Internetzugang zählt hier zu den absoluten Luxusgütern und ist dazu noch extrem langsam. Man ist froh, seine Mails abrufen zu können. Bei drei stichprobenartigen Tests im Stadtzentrum konnte unser Handy kein einziges Funknetzwerk finden. Auch Mobilfunkempfang zum Telefonieren haben wir mit unseren Handys nicht.

Am Montag früh (14. Juli), klingelte bei uns um 4.00 Uhr der Wecker, damit wir uns das WM-Finale anschauen konnten. Zusammen mit einer Irin, einem Franzosen und drei Einheimischen verfolgten wir bei 26°C und langer Kleidung (wegen der unzähligen Mücken) im Hinterhof des Hostels das Spiel gegen Argentinien – vor einem flimmernden 17 Zoll Röhrenfernseher.
GÖTZEidank war ich dann wohl für das Wachwerden aller noch schlafenden Mitbewohner verantwortlich…

Wir hoffen, in Kürze unser Auto abholen zu können, wobei bzgl. Termintreue der Toll-Schiffe immer noch Skepsis bei uns vorherrscht.

An einem Abend haben wir einen einheimischen Journalisten kennen gelernt, der mit seiner Frau in der Stadt war. Sie haben uns zu sich ins Dorf eingeladen, welches in den Bergen liegt. Wir werden es auf unserer Route durch das Land mit einplanen und sind gespannt, was wir dort und im übrigen Land alles sehen werden.

Müllberg in Dili
Strand in Dili
Public Viewing im Hostel

Da Timor-Leste ein kleines Land und auch weit am Anfang unserer Tour liegt, werden wir uns wahrscheinlich schon nach zwei Tagen in Richtung Grenze nach Indonesien aufmachen. Unser nächstes Etappenziel ist dann Kupang, eine Stadt am Westende der Insel Timor, wo es auf die Fähre nach Flores gehen wird.

Während wir in Darwin bereits zwei englische Motorradfahrer, die uns durch Myanmar begleiten wollen, persönlich getroffen haben und wir viel zu schnattern hatten, treffen wir vielleicht auch bald ein Niederländisches Pärchen irgendwo auf unserer Tour durch Indonesien, welches uns ebenfalls begleiten möchte.

Wenn denn dann doch nur mal das Auto endlich da wäre…