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Reiseberichte

Roter Sand

Wir sind nun in Darwin, unserer letzten Station in Australien, angekommen.
Dabei haben wir uns in den letzten Tagen vom 34. rauf zum 12. südlichen Breitengrad "gearbeitet".

Einen großen Teil der Strecke zwischen Port Augusta an der Südküste Australiens und Darwin an der Nordküste haben wir mittels Stuart Highway hinter uns gebracht. Das ist die Hauptverbindungsstraße zwischen Süd- und Nordküste im Zentrum Australiens.

Beim Verlassen von Port Augusta begrüßte uns auch gleich ein Entfernungshinweisschild: Alice Springs: 1221 km. Dort angekommen hat man noch nicht mal die Hälfte der Strecke bis Darwin gemacht.

Wir wollten es uns aber auch nicht nehmen lassen, noch einmal ein paar unbefestigte Pisten im Zentrum Australiens zu erkunden. Unser „Camps 7 “, eine Art Atlas und Camping-Bibel für ganz Australien war uns eine super Quelle für das Aussuchen einer … schönen Strecke. Zunächst wollten wir etwas von der großen Distanz hinter uns bringen und verließen daher South Australia zügig Richtung Norden. Dabei passierten wir die uns schon von unserem Trip 2010 bekannte „Opal-Hauptstadt Australiens“ namens Coober Pedy. Neben zahlreichen still gelegten und noch in Betrieb befindlichen Minen kann man hier einmal untertage wohnen, wie es die Minenarbeiter damals gewohnt waren. Auch treffen wir mehr und mehr auf Aborigines, Australiens Ureinwohner. Sie fallen durch ihre sehr dunkle Haut, häufig extrem dünnen Beine und breiten Nasen ins Auge. Coober Pedy war aufgrund seiner „Mond-ähnlich“ anmutenden Landschaft (teils flache helle pflanzenlose Gesteinswüsten) auch Drehort für zahlreiche Filme aus den 80er und 90er Jahren.

1221 km bis Alice Springs
Rastplatz bei Coober Pedy
Alte Mine bei Coober Pedy

Je mehr wir dem Zentrum Australiens näher kommen, desto höher liegen auch die Spritpreise. Das teuerste 91er Benzin, das wir auf der ganzen Etappe gesehen hatten, wurde für 2,40 australische Dollar pro Liter verkauft. Das sind etwa 1,65 € … hmm … sind wir doch schon in Deutschland? Das ging aber schnell – da muss wohl das Schild im Hostel in Port Lincoln Blödsinn erzählt haben. ;)

Um offroad-technisch ein bisschen auf unsere Kosten zu kommen, dabei aber außer blanker Wüste vielleicht auch noch etwas zu sehen zu bekommen, entschieden wir uns knapp hinter der Grenze zwischen South Australia und Northern Territory für einen Abstecher über ein kleines Dorf namens „Finke“ sowie das Befahren der „Old Ghan Road“, welche ursprünglich ein Pfad der Aborigines entlang dortiger Wasseradern war und wo später im frühen 20. Jahrhundert die erste Bahntrasse zwischen Adelaide im Süden und Alice Springs im Zentrum Australiens entlang lief.

Teile unserer gewählten Strecke sind bis heute noch nicht z.B. auf Google Maps zu finden. Für uns ein Beweis: wir haben eine gute Strecke gewählt! Vom Stuart Highway ging es bis Finke zunächst ganz einfach auf einer breiten flachen Schotterpiste dahin. Ihr könnt euch das Grinsen auf dem Gesicht des Fahrers sicher vorstellen…

Mit bis zu 140 km/h unterwegs ließ es sich selbiger Fahrer natürlich auch nicht nehmen, ab und zu das 2012 in München beim „BMW M Drift Fahrertraining“ Gelernte noch mal ein wenig zu testen. Gut, dass das Auto so viele Griffe zum Festhalten hat.

Unterwegs bogen wir auf einen kleinen Sandpfad ab, der uns zwischen eng stehenden Büschen und kargen Bäumen bis an „Lambert’s Centre of Australia“ heran brachte, den von der australischen Regierung als offiziell anerkannten Mittelpunkt Australiens.

Enrico auf der Finke Road
Autowrack nahe der Finke Road
Lambert's Zentrum von Australien

Zwei kurze Ausschnitte der Etappe sind im voran gegangenen Video zu sehen.
Die Old Ghan Road führt an der Westgrenze der Simpson Desert entlang. Die gerade für Zentralaustralien typische rote Erde herrschte überall vor. Da fügten sich zahlreiche „der Natur überlassenen“ Fahrzeuge mit ihren Rostfarben entlang der Piste super ein.
Inzwischen wesentlich weiter nördlich als zu Beginn der Tour haben wir bereits tagsüber Temperaturen um 26 Grad erreicht. Schlangen oder gar größere Leguane oder Agamen wie den Dornenteufel bekamen wir leider nicht zu Gesicht. Denen war es wohl schlicht weg noch zu kalt.

In Alice Springs frischten wir alle Vorräte auf und befreiten das Auto vom roten Wüstensand, der nach unserer Tour seinen Weg in die verwickeltsten Stellen fand. Jeder kennt das Gesicht eines Mannes, der, mit einem Kärcher bewaffnet, sein Auto reinigt…

Wir verzichteten aus zwei Gründen auf einen Abstecher zum bekannten Uluru (Ayers Rock): zum einen waren wir 2010 schon dort und zum anderen verhieß der Wetterbericht für die Tage auch nichts Gutes. Weiterhin bestand nach Rückmeldung bei der Cargo-Gesellschaft in Darwin die Möglichkeit, eine zeitigere Fähre zu nehmen.

Zurück auf dem Stuart Highway verließen wir Alice Springs gen Norden. Hier kam Enrico in den Genuss eines Testprojektes der Polizei, wonach ein 200 km langer Abschnitt zwischen Alice Springs und Barrow Creek keine Geschwindigkeitsbeschränkung aufzeigt. Für ein Jahr wird hier getestet, ob und inwiefern sich dies auf die Unfallstatistik auswirkt.
Mit wehmütigen Blick auf den Spritverbrauch war es an mir, Enrico immer mal wieder beim Tempo zu zügeln.

Unterwegs passierten wir den südlichen Wendekreis. Von hier aus sind es Luftlinie noch 2609 km bis zum Äquator. Diesen werden wir aber erst in über einem Monat passieren.

Je näher wir Darwin kamen, desto wärmer wurde es tags- vor allem aber auch nachtsüber.
Hallo Moskitos – wie haben wir euch vermisst. Wir versuchen, es optimistisch zu sehen: es erspart den Gang zur Blutspende…

Eine schöne Sehenswürdigkeit auf unserer Strecke nördlich von Alice waren u.a. die „Devil’s Marbles“. Dies ist eine aus tausenden Granitfelsen bestehende Felsformation, die Gelegenheit für zahlreiche Fotos bot. Bei dem Rastplatz, wo wir die folgende Nacht verbrachten, hörten wir nachts die Dingos heulen.

Ein ständiges Problem auf den letzten 600 km bis Darwin waren Greifvögel auf der Straße. Diese saßen – fanatisch an tot gefahrenen Kadavern fressend – häufig bis zur letzten Sekunde auf der Straße und wischen dann erst herannahenden Autos aus. Nicht selten mussten wir in die Bremse steigen, da sich Enrico um das Wohl der Windschutzscheibe und ich das der Tiere sorgten.

Old Ghan Road bei Finke
Devil's Marbles
Buschfeuer

In Darwin angekommen begaben wir uns auf eine längerer Suche nach einem freien Platz auf einem Caravan Park, da gerade Hochsaison ist. Nach 3 ausgebuchten Parks und 2 Ablehnungen, da wir im Auto schlafen und dies nicht den visuellen Ansprüchen genügt, haben wir nun eine Unterkunft gefunden und unsere erste Anlaufstelle war jetzt eine Autowerkstatt.
Hier ließen wir einen Ölwechsel und die vorderen Bremsen machen. Zwischendurch ging es immer in die Stadt, letzte Besorgungen erledigen.

Road Train
Farbenfroher Vogel

Auch die Vorbereitungen für die Myanmardurchquerung laufen weiter auf Hochtouren. Aktuell wären wir sechs bis acht Personen für die gemeinsame Durchquerung. Neben uns wären Briten, Niederländer, eine weitere Deutsche und ein Inder mit dabei. Somit können wir noch mehr Geld sparen und dieses z.B. zum Shopping verwenden! ... Enrico rollt schon wieder mit den Augen! ;)

Am Montag den 7. Juli geben wir nach Besuch beim Zoll das Auto bei der Cargo-Gesellschaft ab, um es per Schiff nach Dili transportieren zu lassen. Wir selbst werden für eine weitere Nacht in einem Hostel in Darwin bleiben, bevor es für uns heißt: "Good Bye Australia" und "Oi lá Timor-Leste". Auch haben wir inzwischen erfahren, dass es in den letzten Wochen zu Verzögerungen bei der Verschiffungen kommen kann. Wir hoffen nun, dass wir nicht zu lange auf unser Auto warten müssen und schnell Osttimor erkunden können. Aber Dili selbst hat ja auch einiges zu bieten.
Langeweile wird da bestimmt nicht aufkommen.

Aber bis unsere 2. Reiseetappe beginnt, genießen wir noch die Zeit und ja, ein bisschen Wehmut ist auch dabei, denn wir befinden uns ja bereits mit 2. „Working Holiday Visum“ hier und noch eins kann man leider nicht beantragen. Aber wenn wir am Ende alle Länder der Welt bereist haben möchten, müssen und wollen wir nun weiter. Die Ferne ruft!