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Reiseberichte

Start!

Wir sind unterwegs! Es ging endlich los! Schluss mit "Wir müssen zur Arbeit gehen". Nun heißt es für uns: "Die Räder müssen auf dem Asphalt drehen!". Wie geplant und angekündigt haben wir Canberra am Dienstag den 17. Juni in Richtung South Australia - Korrektur: Deutschland - verlassen. Die letzte Nacht in Canberra war kalt bei Temperaturen um die null Grad. Höchste Zeit, in wärmere Gefilde aufzubrechen!
Am Morgen unseres Tour-Starts war aber die Sonne auf unserer Seite und nur das Autoradio litt unter unserer guten Laune. Die Außenspiegel wippten im zügigen 4/4-Takt unser geballten MP3-Sammlung mit und wir sammelten die ersten "Daumen hoch" von anderen Verkehrsteilnehmern, die offensichtlich die Schrift an unserem Auto gelesen hatten.
Wir verließen Canberra über den Barton Highway und wechselten westwärts auf den Hume Highway - Hauptverkehrsstraße zwischen Australiens zwei größten Städten: Sydney und Melbourne. Über Wagga Wagga ging es dann in Richtung der Kleinstadt Hay und anschließend weiter in Richtung Mildura. Was ein Blick auf diese Region in Google Earth schon erahnen lässt, haben wir hier mal u.a. in ein Bild gepackt: Outback. Es dauert nicht lange bis man die letzten Dörfer verlassen hat und man sich stundenlang völlig allein auf hundeelend langen und linealgeraden Straßen wieder findet - inmitten von: absolut Nichts. Die Region westlich von Hay ist sehr eben und lediglich karge Grasbüsche säumen die Landschaft.

Dass solch eine Fahrt langweilig werden kann, muss man wie ich finde nicht extra erwähnen. Ich wollte die Zeit während der Fahrt effektiv nutzen und zusätzlich zum Tempomat noch ein Lenkradschloss am Auto anbringen, damit ich mich derweil für ein Nickerchen nach hinten legen kann. Aber Nadine ließ mich aus irgendeinem Grund nicht.
Kurz vor Hay passierten wir zahlreiche Baumwoll- und Weinplantagen. Bei letzteren läuft derzeit das Zurückschneiden auf Hochbetrieb.

KM-Stand bei Reisebeginn
Ewig gerade Straßen und triste Landschaft westlich von Hay, NSW
Typischer 'Road Train'

Die erste Nacht auf Tour (so auch die zweite am Folgetag) verbringen wir auf einem Rastplatz ohne Wasser und Strom (wird Zeit, sich endlich wieder daran zu gewöhnen) an der Straße. Die nächste Stadt oder sagen wir besser das nächste Dorf ist in beiden Richtung jeweils mehr als 60 km entfernt. Hier sieht man überwiegend Road Trains - Australiens überlange Lkws - fahren, die auch in der Nacht erbarmungslos die Straßen entlang donnern. Anders als in vielen europäischen Ländern dürfen in Australien auch Lkws meist mit selber Geschwindigkeit fahren wie Pkws. Und ein Überholvorgang solcher Blechlawinen mit gerne mal 46 Reifen dauert auch so seine Zeit. Aber die Straßen lassen es ja problemlos zu.

Während der Fahrt Richtung Mildura am nächsten Tag bekommen wir einige Emus und Kängurus zu sehen - und ... ewig lange Geraden. 1650 km waren es von Canberra bis in die Kleinstadt Port Lincoln an der Südküste von South Australia. Auf dieser Strecke haben wir aufgrund der überwiegend geraden Straßen wahrscheinlich weniger den Kurs gewechselt, als es ein Flugzeug auf selber Strecke getan hätte. Straßenatlanten für Australien zu erstellen, geht ganz fix: einen Stift und das Lineal ein paar Mal angesetzt! Fertig!

Die insgesamt platte Landschaft mit ihren kargen Grasbüschen und Eukalyptusbäumen zwischen Hay in New South Wales und Burra in South Australia weicht anschließend einer ebenfalls kaum bewachsenen aber grünen Hügellandschaft, die sich um den gesamten Spencer Golf erstreckt. In Port Augusta tanken wir mit umgerechnet etwa 98 Eurocent das günstigste Benzin bisher.
Hier machen wir auch einen geplanten "Abstecher" von der Hauptroute in Richtung Port Lincoln. Unterwegs verlassen wir die Hauptstraße und biegen auf eine unbefestigte Piste ab, die uns direkt an die Küste der Lipson Cove bringt. Die Sonne steht noch hoch genug am blauen Himmel und so zeigt sich die australische Natur von ihrer farbintensiven Seite: sattgrüne Wiesen, goldbraune Schotterstraße und Küstenfelsen, blaues Meer, heller Sandstrand. Vor der Küste liegt eine kleine Insel, die eine große Gruppe Eilseeschwalben beherbergt.
Wir richten unser "mobiles Schlafzimmer" Richtung Meer aus und beobachten bei zeitigem Abendessen die Vögel bei ihren Jagdmanövern über dem Wasser.

Am Morgen auf dem Rastplatz
Orangenplantage bei Waikerie, SA
Blick auf die Lipson Cove bei Port Lincoln, SA

In Port Lincoln checken wir ausnahmsweise einmal in einem Hostel ein, da dieses einen sehr guten Ruf genießt und Gelegenheit bietet, andere Leute kennenzulernen. In der Küche steht ein großes Wegweiserschild, welches Orte auf der ganzen Welt benennt: während es von uns aus bis zur Küste der Antarktis nur noch um die 3500 km weit ist, wird Deutschland (Luftlinie) mit ca. 15300 km betitelt. Feststellung: wir haben noch ein bisschen was vor uns.

Unsere erst vor kurzem erworbene GoPro Actioncam soll neben Tauchausflügen und ähnlichen Dingen auch unsere gesamte Tour bis nach Deutschland aufzeichnen: alle 60 Sekunden knippst die Kamera ein Bild in Fahrtrichtung. Zurück in Deutschland sollen diese Bilder dann einmal Grundlage für ein Zeitraffer-Video gemäß "Australia to Germany in 5 Minutes" sein.

Schlafzimmer mit Meerblick!
Sonnenaufgang
Wegweiser im Hostel in Port Lincoln, SA

Inzwischen scheint sich nun auch beim organisatorisch immer noch heikelsten Thema "Durchquerung von Myanmar" endlich etwas Sonne zu zeigen: die ersten Interessenten einer Beteiligung an der Reise durch Myanmar - zwei Motorradfahrer aus Neuseeland - haben sich gemeldet. Zu viert wäre die Fahrt durch Myanmar schon mal wesentlich erschwinglicher als allein. Viel besser noch: wir haben einen dritten Reiseveranstalter in Myanmar ausfindig gemacht, dessen Tour-Preise die uns bisher bekannten bequem um 50% Prozent unterbieten. Damit wird das ganze Thema für uns definitiv erschwinglich und vertretbar.

Einen kleinen Wermutstropfen gab es aber dann auch noch: der Fahrplan der Frachtschiffe von Darwin nach Dili in Osttimor hat sich geändert. Höchstwahrscheinlich werden wir 5 weitere Tage in Australien verbringen, als geplant. Das macht dann in der Summe vier Wochen "verspätete" Ausreise aus Australien verglichen zu unserem ersten Zeitplan.

Wie wir diese zwangsweise dazu gewonnene Zeit nutzen werden, steht dann im nächsten Bericht.
Uns ruft nun der Stuart Highway Richtung Northern Territory.