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Reiseberichte

Die Idee

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Oktober 2013. Wir befanden uns gerade auf einem Inlandsflug im Süden Indonesiens. Es war früher Morgen, die Sonne stand noch ganz tief und Morgendunst hing über den Tälern der Insel Java, als die Maschine in den Sinkflug überging. Nur die Gipfel der zahlreichen Vulkanberge, unter ihnen Kelud und Merapi, ragten aus dem Nebel hervor. Unsere 7-monatige Reise durch 10 Länder Ost- und Südostasiens stand kurz vor ihrem Ende. In einer Woche sollte unser nächstes Ziel Australien heißen.

Aus dem Fenster stierend kam mir ein Gedanke: „Stell dir mal vor, wir würden mit dem Auto da unten lang fahren!“. „… und dann immer weiter bis nach Deutschland!“ war Nadines Reaktion.

Die Idee war geboren.

Dann stellten wir uns vor, wie es wäre, mit dem Auto entlang des indonesischen Vulkangürtels zu fahren, uns durch die Straßen Neu Delhis zu schieben, die Wüsten des mittleren Ostens zu sehen. Wir kamen aus dem Schwärmen nicht mehr heraus. Jedoch in dem Bewusstsein, nach der bisherigen Reise nicht die Mittel für eine solche Unternehmung zu haben, verwarfen wir die Idee schnell wieder und freuten uns stattdessen auf Australien.
„Work and Travel“ – gepaart mit der optimistischen und freundlichen Lebensmentalität der Australier („no worries“) lockt seit Jahren zahlreiche Reisende aus aller Welt hierher. Für uns war es bereits das zweite Jahr – und wir hatten so unsere Ideen für diese Zeit.
Doch während wir die ersten 2000 km mit unserem Mitsubishi hinter uns brachten, schwirrte die Idee einer Fahrt „von hier nach Hause“ immer wieder in unseren Köpfen herum.

Und so erfolgten erste Recherchen, um eine Vorstellung über Machbarkeit und Umsetzung solch einer Tour zu bekommen – anfangs noch spät abends vor dem Laptop nach dem vierten Glas Wein, in dem Bewusstsein, in sechs Stunden schon wieder aufstehen und zur Arbeit wackeln zu müssen – es war ja nur „interessehalber“ ...

Die ersten Erkenntnisse motivierten uns zur Erstellung einer umfassenden Aufgabenliste und Finanzplanung.
Im Januar besuchten uns Rudi und Gabi aus Deutschland, zwei sehr erfahrene Globetrotter, und man tauschte viele Gedanken und Erfahrungen aus. Mit der Zeit lernten wir neue Leute kennen, die Ähnliches und sogar viel Verrückteres schon gemacht haben. Für uns eine wertvolle Informationsquelle.

Der Plan

Wir erstellten zunächst einen ersten groben Routenplan gemäß dem Motto „gehe auf vier Rädern nach Deutschland, begib dich direkt dort, benutze kein Flugzeug und beziehe keine Umwege mit ein“.

So entstand eine Route durch 15 Länder:
Australien – Osttimor – Indonesien – Malaysia – Thailand – Myanmar – Indien – Pakistan – Iran – Türkei – Bulgarien – Serbien – Ungarn – Slowakei – Tschechien – Deutschland

Weltkarte mit Routenverlauf
Ungefährer Routenverlauf

Alles in allem um die 25000 km auf den Rädern + Verschiffung.
Für Regionen in drei Ländern gab die Webseite des Auswärtigen Amtes Reisewarnungen aus die da sinngemäß lauten: „Man muss total wahnsinnig sein, auch nur in die Nähe zu fahren.“ Sehr reizvoll.

Wir stellten weiterhin fest: trotz der beachtlichen Anzahl an Ländern, die wir zu durchqueren hätten, bräuchten wir für nur fünf Länder ein Visum. Das klang ja schon mal gut! Soweit zur Theorie. Der Umstand, diese Länder mit dem eigenen Auto bereisen zu wollen, sollte das Ganze später dann aber in ein anderes Licht rücken.

Es wurde nun mittlerweile Februar und unser Alltag bestand nur noch aus Arbeiten, Reiseplanung und Schlafen. Jeden Tag nach der Arbeit beschäftigten wir uns nun mit den Fragen:

Können wir genug sparen, um diese Reise überhaupt starten zu können?
Welche Ausrüstung brauchen wir?
Erstellen wir eine Webseite? Wie soll die aussehen?
Wie und wo besorgen wir all die Visa, die notwendig sind?
Welche Versicherungen kommen in Frage?
Würden die noch leeren Seiten in unseren Reisepässen reichen?
Was zur Hölle ist ein ‚Carnet de Passage‘ und wo bekommen wir so ein Ding her?
Und die wichtigste Frage: wie sollen wir bei all den nötigen Vorbereitungen die Zeit finden, weiter auf Arbeit zu gehen?

Die Wochen flossen nur so dahin. Mitte April kamen wir dann endgültig zu dem Ergebnis: wir packen es an! Wir freuten uns wie die Schneekönige und konnten es kaum erwarten, endlich loszulegen.

Bis Mitte Mai blieben wir unserer Arbeit auf einer Salatfarm im Süden des australischen Bundesstaates Victoria treu und planten die Tour. Eine erste große „Anschaffung“ war das Carnet de Passage. Das ist ein (ziemlich teures) Dokument, welches als „Reisepass für das Auto“ angesehen werden kann, einem die Zollabgaben an den Grenzen erspart und generell in den meisten Ländern Pflicht ist.

Unsere Bilanz und Erkenntnisse bis hier hin:

  • 1 Webseite wird erstellt: katastrophale Baustelle, erst zu 40% fertig, vom Inhalt ganz zu schweigen
  • 2 Krankenversicherungen erneuert
  • 1 Carnet de Passage besorgt
  • > 150 verschickte Mails an Behörden und Institutionen weltweit, die überwiegend Kopfzerbrechen anstatt „Aha-Effekte“ hervorriefen
  • etwa 200 neue graue Haare bei Enrico
  • einige Kopfschmerztabletten weniger im Reisegepäck
  • ca. 300 l verfahrener Sprit, ohne überhaupt schon zur Tour aufgebrochen zu sein
  • fast genau so viel Liter konsumierter Alkohol, um die Vorbereitungen nervlich erträglich zu machen ;)
  • Auto: generalüberholt (wenigstens ist hier einer schon bereit für die Tour…)
  • Großteil der Ausrüstung besorgt
  • Verschiffung ab Darwin nach Dili (Osttimor) organisiert
  • Erkenntnisse:
    1. 2 Länder, deren Visa schwer zu organisieren sind (Pakistan und Iran)
    2. größte Schwierigkeit: die Durchquerung von Myanmar
    3. ein neues Ziel: Canberra, Heimat sämtlicher für uns relevanten Botschaften in Australien

Sonderfall Myanmar   Myanmar

Während unserer Vorbereitungen und Recherchen haben wir festgestellt, dass es sehr schwer ist, Myanmar mit dem Auto zu bereisen. Nach wie vor sind zahlreiche Regionen in dem Land für Ausländer gesperrt und die Regierung erhebt horrende Gebühren für die Einreise / Durchreise mit einem eigenen Fahrzeug. Visum und Carnet reichen grundsätzlich nicht aus.
Die Regel sieht vor, dass man ausschließlich unter ständiger Führung und Begleitung eines einheimischen Guides mit entsprechender Genehmigung im Land fahren und reisen darf. Und die Preise dieser Guides richten sich nach der Größe der Reisegruppe. Je mehr teilnehmen bzw. mitfahren, desto günstiger wird es pro Person. Ein Alleinreisenden kostet solch eine Führung locker so viel wir ein zweiwöchiger Karibikurlaub – mitunter sogar mehr! Nach erfolgreicher Kontaktaufnahme mit einem von anderen Reisenden empfohlenen Tour Guide stehen wir noch vor dem Problem, weitere Leute zu finden, die sich der Tour anschließen wollen. Wir hoffen auf weitere Erkenntnisse und Hilfe in der Botschaft von Myanmar in Canberra.